Rumänien hat eines der geringsten geschlechtsspezifischen Lohngefälle in Europa

Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern gibt es in vielen Bereichen auf der ganzen Welt. Einer der Bereiche, in denen dies am meisten diskutiert wird, ist der Verdienst. Derzeit beträgt das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen im EU-Durchschnitt 13 %, was nach Angaben der EU schätzungsweise dem Gegenwert von etwa zwei Monatsgehältern entspricht.

Laut einem von Eurostat veröffentlichten Bericht wies Rumänien im Jahr 2020 eines der niedrigsten unbereinigten geschlechtsspezifischen Lohngefälle in der Europäischen Union auf, nämlich 2,4 %. Das bedeutet, dass in Rumänien beschäftigte Frauen im Jahr 2020 im Durchschnitt 97,6 EUR pro 100 EUR verdienten, die ein männlicher Angestellter erhielt.

Die höchsten geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede wurden in Lettland mit 22,3 % festgestellt, gefolgt von Estland mit 21,1 %, wobei Österreich und Deutschland mit 19 % nahe dran waren. Am anderen Ende der Skala waren die Unterschiede in Luxemburg (0,7%), Rumänien (2,4%), Slowenien (3,1%) und Italien (4,2%) am geringsten.

Wie wir aus diesen Daten ersehen können, gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten, die auch zeigen, dass die Lohngleichheit nicht weitgehend vom Wohlstand eines Landes abhängt.

Warum das geschlechtsspezifische Lohngefälle in der EU fortbesteht

Zwischen 2012 und 2020 schrumpfte das geschlechtsspezifische Lohngefälle in der EU nur geringfügig von 16,4 % auf 13,0 %. In acht Jahren wurde dieses Gefälle also nur um 3,4 Prozentpunkte verringert. Bei diesem Tempo würde es noch viele Jahre dauern, bis das geschlechtsspezifische Lohngefälle ganz verschwindet.

Laut Eurostat ist einer der Hauptgründe für das Fortbestehen des Lohngefälles in den EU-Mitgliedstaaten die Tatsache, dass Frauen immer noch die Hauptbetreuungsperson für Kinder sind. Indem sie Zeit (Monate oder sogar Jahre) ihrer Karriere auslassen, leiden die meisten Frauen in der EU unter einem kumulativen Effekt auf den Gesamtlohn.

Selbst wenn sie wieder ins Berufsleben zurückkehren, landen sie oft in Teilzeitjobs oder bei gering qualifizierten Tätigkeiten.

Das rumänische Geheimnis

Rumänische Frauen sind in der EU führend, was ihre Beteiligung an Berufen angeht, die traditionell von Männern dominiert werden, wie Naturwissenschaften, Mathematik und Computerwissenschaften.

Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das ehemalige kommunistische Regime in Rumänien mehr als 40 Jahre lang eine offizielle Politik der Gleichstellung der Geschlechter betrieben hat, die den gleichen Zugang zu Bildung und Beschäftigung ermöglichte und die Lohnunterschiede einschränkte.  Im Vergleich zu anderen EU-Ländern haben rumänische Frauen häufiger Abschlüsse in den Bereichen Ingenieurwesen, Technik und Produktion.

Auch in der rumänischen Verfassung, im Arbeitsgesetzbuch und im Gesetz zur Festlegung der Gehälter für Angestellte und Beamte, die für öffentliche Einrichtungen und Behörden arbeiten, wird das Recht auf Lohngleichheit als Grundprinzip anerkannt.

Rumänien ist auch ein wichtiges IT-Zentrum und hat eine große Anzahl von Absolventinnen im Bereich IT&C. Nach Angaben der Polytechnischen Universität in Bukarest ist der Anteil der Frauen in diesen Bereichen in den letzten Jahren ständig gestiegen. Sie interessieren sich für die Fachbereiche Automatisierungstechnik, Informatik und Elektronik, Telekommunikation und Informationstechnologie.

Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter in Rumänien seit 2010

Im Jahr 2019 erzielten Frauen in Rumänien in sieben Wirtschaftszweigen im Durchschnitt höhere monatliche Nettoeinkommen als Männer. So hatten weibliche Beschäftigte in den Bereichen Verwaltung und unterstützende Dienstleistungen einen um fast 20 Prozent höheren monatlichen Nettoverdienst als Männer.

Gleiches Entgelt ist noch ein langer Weg

Zwei Drittel des Beschäftigungswachstums in der EU in den letzten zwei Jahrzehnten ist auf den Eintritt von Frauen in das Erwerbsleben zurückzuführen. Der Anstieg der Frauenbeschäftigung war jedoch am stärksten bei Teilzeitstellen und Niedriglohnjobs. Das bedeutet, dass Frauen in der EU gegenwärtig in Mindestlohnbereichen überrepräsentiert sind.

 

Zusammenfassung

Trotz zahlreicher Verbesserungen im Sozial- und Berufsleben scheint das Lohngefälle immer noch beträchtlich zu sein und tiefe kulturelle Wurzeln zu haben. Gleicher Lohn ist jedoch nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Frage der Ankurbelung der Wirtschaft und der Ausweitung der Erwerbsbevölkerung in allen Sektoren und Branchen. Wenn Frauen mehr Geld zum Ausgeben hätten, würde dies auch die Steuerbasis erhöhen.

 

Quelle:

Eurostat

EIGE Europa

 

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